• Tipps für den Umgang mit Mobbingopfern

    Der Umgang mit Mobbingopfern ist besonders deshalb sehr schwierig, weil sie ein sehr angeschlagenes bis gar nicht mehr vorhandenes Selbstwertgefühl haben und daher extrem verletzbar sind.
    Auch weiß man nie, was diese Personen vorher alles erlebt hat, und welche Sätze und Äußerungen daher schnell unangenehme Erinnerungen hervorrufen (=triggern)können.
    Dennoch gibt es einige Verhaltensweisen, die insbesondere für Angehörige eines Mobbingopfers oder für Lehrer absolut inakzeptabel sind. Die wichtigsten davon habe ich hier aufgelistet.

    1. Der Schlimmste Satz, den man zu einem Mobbingopfer sagen kann -selbst wenn es so sein sollte, dass das Mobbingopfer "selbst Schuld" hat, weil es sich zum Beispiel durch Fehlverhalten quasi "selbst ausgegrenzt" hat- ist:

    "Du bist doch selbst Schuld an deiner Situation!"

    In 99% aller Fälle zerstört dieser Satz das restliche Selbstwertgefühl, was noch vorhanden ist und verursacht nicht selten auch Selbsthass bzw. selbstschädigende Handlungen.
    Deshalb ist dieser Satz unbedingt zu vermeiden!

    Falls das Verhalten des Mobbingopfers selbst, in welcher Form auch immer, unangebracht und daher eventuell der Grund des Mobbings scheint, ist zu beachten, dass man das Mobbingopfer erst stabilisiert und dann schonend an dieses Thema heranführt!
    Wenn man selbst damit überfordert ist, sollte man daher solche Erklärungen erfahrenen Leuten, wie Sozialpädagogen überlassen.

    Ein weiterer solcher Satz, den wirklich kein Mobbingopfer in seiner Situation gebrauchen kann, ist folgender:
    "Ach, stell dich mal nicht so an - besonders in dem Alter kann es öfter mal zu einem rauheren Umgangston kommen. Das musst du abkönnen!

    Insbesondere wenn Jugendliche zu einem kommen und davon sprechen, dass sie sich gemobbt fühlen, sollte man als Lehrer diese Beschwerde auch entsprechend ernst nehmen. Nicht nur weil alles andere das Selbstvertrauen des Opfers angreift, sondern auch weil Mobbing eine Entwicklung über einen langen Zeitraum ist, die durch frühzeitiges Eingreifen noch aufgehalten werden kann.

    Schaut man in der ersten Zeit weg, zeigt man den Mobbern, dass das Verhalten toleriert und akzeptiert wird - so kann sich die Situation für das Mobbingopfer nicht verbessern!

    2. Falls man das "Glück" hat, die Vertrauensperson des Mobbingopfers zu sein und weitere persönliche Dinge über diese Person erfährt, ist es nicht nur wichtig, diese Erfahrungen vertraulich zu behandeln, sondern auch ein entsprechender Umgang mit dem Mobbingopfer. Alleine der Weg, irgendwohin zu gehen und überhaupt jemandem von dem Mobbing zu erzählen ist schwierig genug. Deshalb sollte man, auch wenns einen eigentlich nicht interessiert oder man vielleicht nicht zuständig ist für solche Probleme, unbedingt zuhören!
    Nichts verletzt mehr als wenn man sich einer Person anvertraut und diese dann nur folgende Äußerung für einen übrig hat:

    "Es tut mir Leid, aber dafür bin ich nicht zuständig! Erzähl deine Probleme jemand anders..."

    Selbst wenn man als Lehrer mit dem Problem Mobbing völlig überfordert ist, ist es erstmal wichtig, dem Mobbingopfer seine Unterstützung zu versichern, damit es das Gefühl bekommt, nicht alleine dazustehen mit seinem Problem. Danach kann man immer noch vorschlagen, Vertrauenslehrer oder andere erfahrene Persönlichkeiten ebenfalls einzuschalten.

    3. Falls das Mobbingopfer oder auch eine im Allgemeinen psychisch angeschlagene Persönlichkeit auf einen Lehrer zugeht und ihn bittet, ein bestimmtes Thema zu vermeiden, was im Unterricht zwar besprochen werden könnte, für diese Person aber unangenehme Erinnerungen weckt und im Extremfall sogar triggern oder retraumatisieren könnte, sollte man als Lehrer unbedingt darauf Rücksicht nehmen.
    Alles andere könnte nicht nur zu oben genannten Folgen führen, sondern im Extremfall zu einer Schulphobie (zumindest in Kombination mit dem Unterricht) oder zu Situationen, die dem Mobbingopfer sehr peinlich sind, da es zum Beispiel vor lauter Angst anfangen könnte zu zittern und dann der Rest der Klasse daruaf aufmerksam wird, dass dies eine "Schwachstelle" der Person ist.
    Vielleicht sollte man als Lehrer auch im Allgemeinen vorsichtig sein, wenn man heikle Themen wie Gewalt an der Schule, sexuellen Missbrauch (Vergewaltigung) oder andere Dinge anspricht.
    Wie ich bereits am Anfang schrieb, weiß man nämlich nie, was den Individuen passiert ist und wenn man dann beginnt, mit ausführlichen Beispielen solch eine Diskussion zu führen, hat das entsprechend fatale Folgen.

    4. Wenn man als Lehrer oder auch als Angehöriger eines Mobbingopfers in welcher Weise auch immer, erfährt, dass das Mobbingopfer Angst hat, die Schule zu besuchen, sollte man für entsprechende Begleitung zur Schule sorgen bzw. den Schüler stets motivieren und ihm seine Unterstützung versichern.
    Was zum Beispiel sehr wirksam ist, ist eine Begleitung des Schülers bis zum Klassenzimmer, und auf dem Weg dorthin ein ausführliches Gespräch, in dem man auch immer wieder betont, dass das Mobbingopfer stark ist und den weg in den Unterricht schafft.
    Wenn man allerdings merkt, dass die Angst weiterhin stärker ist, sollte man dem Mobbingopfer auf jeden Fall anbieten, das Klassenzimmer verlassen zu dürfen, wenn es zuviel wird. Das baut den Druck und die Angst zumindest ein klein wenig ab.

    5. Wenn im Unterricht eine Gruppenarbeit durchgeführt wird und das Mobbingopfer sich keiner Gruppe anschließen kann, sollte man erst versuchen, es in eine Gruppe zu integrieren. Allerdings muss man diese dann unter Beobachtung halten, denn die Gefahr, dass das Opfer innerhalb der Gruppe ignoriert wird ist sehr hoch. Wenn diese Arbeit nicht funktioniert, sollte man mit dem Mobbingopfer spätestens nach der Stunde darüber sprechen, damit es zumindest weiß, dass man als Lehrer bemerkt hat, was in der Klasse geschehen ist.

    6. Desweiteren ist darauf zu achten, dass vor dem Rest der Klasse kein Eindruck einer "Sonderbehandlung" des Mobbingopfers entsteht. Deshalb sollte der meiste Kontakt zwischen Lehrer und Schüler eher versteckt stattfinden, also in den Pausen kurz nach der Stunde, oder vielleicht auch per Mail o.ä. Auf gar keinen Fall sollte man aber direkt vor der Klasse sagen, dass noch ein Gespräch stattfinden wird... es könnte die Klasse wieder veranlassen, verstärkt zu mobben.

    Bei Bedarf wird diese Liste noch verlängert. Kritik und Anregungen sind wie immer erwünscht.

  • Leitfragen zur Erkennung möglicher Mobbingopfer

    Dieser Eintrag wendet sich vor allem an Außenstehende und an Lehrer, und soll als Hilfestellung dienen, die Situation zu beurteilen. Aber es kann natürlich auch für das Opfer ein Selbsttest sein, an dem es erkennt, wie sehr es von dem Mobbing betroffen ist.

    Viele dieser Punkte habe ich in Zusammenarbeit mit der Internetbekanntschaft Lisbeth herausgearbeitet. An dieser Stelle geht also nochmal ein besonderer Dank an sie. :)

    Wenn man als Außenstehender oder als Lehrer den Verdacht hat, dass ein Schüler gemobbt wird, ist eine besonders gute Beobachtungsgabe gefragt, um die Situation zu klären. Die folgenden Leitfragen sind hierfür eine sehr gute Hilfestellung.
     

     - Verhalten des Opfers im Unterricht

     
    Mobbingopfer werden bei den Gruppenarbeiten in der Klasse oder bei Projekten entweder völlig ausgeschlossen, nicht ernst genommen oder während einer Präsentation häufiger gestört als ihre Mitschüler. Dabei ist es völlig egal, ob das Opfer gute Leistungen in dem Fach bringt oder mittelmäßige. Seine Beiträge werden von der Masse überhört.

    Lässt man das Opfer innerhalb von Diskussionen ausreden? Geht man auf seine Beiträge ein?

    Ein weiteres Merkmal ist die große Unsicherheit. Wenn jemand trotz guter Vorbereitung auf eine Präsentation größere Probleme hat, vor der Klasse zu sprechen, oder sogar panische Angst davor hat, sollte man den Ursachen nachgehen. Oft hängt dies mit Mobbing innerhalb der Klasse zusammen.

    Verändern sich die schulischen Leistungen stark zum Negativen, im Schriftlichen und im Mündlichen? Das kann daran liegen, dass das Mobbingopfer sich aufgrund des Mobbings nicht mehr traut, vernünftig mitzuarbeiten, geschweige denn überhaupt noch Wissen zu zeigen.

    Ist das Mobbingopfer im Unterricht häufig auch gedanklich gar nicht anwesend und kann dem Unterrichtsstoff nicht mehr folgen?

    Wenn Witze in der Klasse über „eine bestimmte Person“ erzählt werden, lacht das „Opfer“ mit? Wenn nicht, richtete sich der Witz gegen das Opfer.  Das Schlimmste, was man als Lehrer in solch einer Situation tun kann, ist, unbewusst mitzulachen. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass man dieses Verhalten toleriert und eventuell sogar anerkennt.

     

    - Fehlzeiten/Fernbleiben vom Unterricht

     

    Wenn das Opfer fehlt, wird Material mitgenommen oder behauptet die gesamte Klassengemeinschaft, keinen Kontakt zum Opfer zu haben?

    Werden schnell Vorwürfe laut, das Opfer würde dem Unterricht mit Absicht fernbleiben?

    Verlässt das Opfer regelmäßig als letztes oder als erstes den Raum oder kommt trotz guter Leistungen häufig zu spät in den Unterricht?

    Dies könnte damit zusammenhängen, dass das Opfer bewusst versucht, seinen Peinigern aus dem Weg zu gehen, um ihnen nicht alleine gegenüberzustehen.

    Häufen sich die Fehlstunden des Opfers oder sinkt die mündliche Mitarbeit deutlich?

     

    - Umgangsformen in Spiel, Sport und Freizeit

     

    Außerdem kann es hilfreich sein, auf das Verhalten des Opfers während der Pausen zu achten. Steht es alleine da? Spricht es mit den Leuten aus der Klasse? Wird es ernst genommen? Falls nicht, falls das Opfer den Klassenkameraden sogar bewusst aus dem Weg geht, handelt es sich wahrscheinlich um ein Mobbingopfer.

    Beim Sport oder bei anderen gemeinsamen Aktivitäten, wird diese Person als letztes gewählt? Steht sie im Spiel die meiste Zeit alleine herum und bekommt nie den Ball?

     

    Braucht das Opfer besonders viel oder besonders wenig Zeit, sich umzuziehen? Kommt es häufig zu spät zum Sport? Auch diese Faktoren können mit Mobbing zusammenhängen. Insbesondere unter den Mädchen ist es nicht selten, dass vor dem Sport beim Umziehen besonders stark gemobbt wird. Daher lassen sich die Opfer entweder sehr viel Zeit beim Umziehen, damit es alleine in der Umkleide ist, oder es beeilt sich, damit die anderen keine Gründe für weiteres Mobbing finden.

     

    Wird das Opfer regelmäßig beleidigt oder verletzt?

    Wird der Besitz des Opfers häufig weggenommen, durch die Gegend geworfen oder absichtlich beschädigt?



    - Verhalten des Opfers privat

     

    Macht das Mobbingopfer öfter den Eindruck, unglücklich, deprimiert, hilflos oder den Tränen nahe zu sein?

    Hört das Opfer oft sehr aggressiv oder melancholisch klingende Musik? Hört es diese sogar in den kleinen Pausen?

    Klagt das Opfer häufig über Schmerzen oder Übelkeit? Psychosomatische, das heißt, durch Stress und psychische Probleme bedingte körperliche Beschwerden, sind eine sehr typische Folge von Mobbing.

    Möchte diese Person häufig früher die Schule verlassen?

    Verschließt sich diese Person noch mehr nach außen als zuvor?

    Steigt auch das Aggressionspotenzial des Opfers? Ist es häufiger schlecht gelaunt oder wendet es plötzlich auch Gewalt an?

    Sucht es zunehmend die Nähe älterer Mitschüler oder sogar die der Lehrer?

     

    Je mehr dieser Fragen nach genauem Beobachten auch über einen längeren Zeitraum mit „Ja“ beantwortet werden können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hierbei um einen Mobbingfall handelt.


    Liebe Grüße,
    eure Raquel

  • Die sieben Phasen des Mobbings

    Obwohl jeder Mobbingfall für sich eigentlich hoch komplex ist, lassen sich sieben verschiedene Phasen des Mobbings erkennen.

    Phase 1: Sehr genaues Beobachten

    Diese Phase wird selten als Mobbing erkannt, aber so fängt meistens alles an. Woran erkennen die Mobber denn überhaupt die typischen Opfer? Nach welchen Kriterien suchen sie sich ihre Opfer aus? Da meistens die schüchternen und unscheinbaren Persönlichkeiten, oder welche mit äußerlich besonders auffälligen Merkmalen wie Pickeln oder anderen Erscheinungen, von Mobbing betroffen sind, müssen die Täter diese vorher genau beobachtet haben, um eben solch eine „Charakterisierung“ vornehmen zu können.
    Und auch wenn ich über meine eigenen Mobbingerfahrungen nachdenke, fällt mir auf, dass man sich meine Bemerkungen damals besonders stark eingeprägt hatte, weil ich neu an der Schule war und damit etwas Besonderes.
    Das Beobachten an sich ist allerdings noch kein Mobbing, da es weder belästigend ist noch überhaupt von dem Opfer bemerkt wird, aber es kann der erste Schritt in diese Richtungen sein, weil sich viele vermeintliche „Beobachtungen“ gegen das Opfer verwenden lassen. Aber eine Intervention ist in dieser Phase leider noch unmöglich, immerhin können genaue Beobachtungen ebenso von großer Neugier –ohne böse Absicht- zeugen.

    Phase 2: Allmähliche Ausgrenzung aus der Gemeinschaft

    Erst an dieser Stelle wird das Mobbing bemerkbar. Die Täter haben an ihrem Opfer durch Beobachtungen (oder, falls ein Streit der Auslöser des Mobbings war, durch diesen) mehrere Dinge gefunden, die ihnen nicht gefallen oder die in einer weise unangenehm sind. Oder, falls sich nur eine starke Schüchternheit des Opfers bemerken lässt, denken sich die Täter andere Gründe für das Mobbing aus.
    Das Opfer wird ab sofort nicht mehr gegrüßt, es wird bei gemeinsamen Tätigkeiten im Sport und bei Gruppenarbeiten trotz guter Leistungen ausgeschlossen und wird in den Schulpausen alleine stehen gelassen. Es fühlt sich einsam und fängt daraufhin meistens an, die Nähe „Gleichgesinnter“ oder der Lehrer zu suchen. Doch davon lassen sich die Mobber nicht beeindrucken. Sie gehen dem Opfer bewusst aus dem Weg, oft wird auch ein „Sicherheitsabstand“ eingehalten, oder es wird aus der Gemeinschaft weggeschickt. All diese Vorgänge spielen sich aber schleichend ab. Selten wird ganz plötzlich nicht mehr mit dem Opfer geredet, sondern viel mehr wird der Kontakt zum Opfer von Tag zu Tag reduziert.

    Phase 3: Beleidigungen in den Schulpausen und im Unterricht

    Nachdem das Opfer aus der Gemeinschaft ausgegrenzt wurde und nun in den Pausen alleine dasteht, fängt die Gruppe der Mobber und die Mitläufer mit kleineren Beleidigungen und Sticheleien an, die sich im Laufe der Zeit in ihrer Häufigkeit und ihrer Schwere steigern. Ab diesem Moment sollten auch die Lehrer langsam bemerken, dass keine Gemeinschaft mehr in der Klasse herrscht. Das Mobbingopfer wird als einziges bei Witzen und lustigen Andeutungen im Unterricht nicht mitlachen, während sich der Rest der Klasse prächtig amüsiert. Zu dem Gefühl der Einsamkeit wird dem Opfer nun noch das Gefühl gegeben, in der Gemeinschaft unerwünscht zu sein, und nicht dazu zu gehören. Dies wird auch bei gemeinsamen Aktivitäten auffallen, wenn das Opfer überhaupt noch bereit dazu ist, an diesen teilzunehmen. Es werden immer mehr Scherze auf Kosten des Opfers gemacht, sodass dieses sich weniger amüsieren kann. Teilweise werden auch extra für das Opfer Lieder gesungen, die auf den ersten Blick harmlos scheinen, aber eine sehr feindliche Botschaft in sich tragen.
    Das Schlimmste, was ein Lehrer in solch einer Situation tun kann, ist, einfach ahnungslos mitzulachen oder zu singen, denn das verletzt das Mobbingopfer noch mehr als zuvor.

    Meistens lässt sich aber kaum erkennen, dass dieses Lied gegen eine bestimmte Person gerichtet ist. Es gibt sogar Fälle, in denen das Opfer selbst gar nicht merkt, dass das Lied gegen es selbst gerichtet ist und selbst noch mitsingt, wodurch es sich zum Gespött der gesamten Klasse macht. Erst nach dieser Blamage folgt dann die Phase der Ausgrenzung.

    Phase 4: Üble Nachrede im Freundeskreis

    Das Mobbingopfer wird sich von den Vorfällen in der Schule nicht sofort entmutigen lassen und sucht sich meistens einen Freundeskreis außerhalb der Schule oder der Klassengemeinschaft. Wenn es also noch keine Spuren psychischer Belastung zeigt, in Tränen ausbricht oder häufig zu fehlen beginnt, haben die Täter meistens das Gefühl, mit ihren Maßnahmen noch nicht erfolgreich genug zu sein. Jetzt wird das Opfer bis ins kleinste Detail beobachtet, seine Aufenthalte in den Pausen, in den Freistunden und auch nach der Schule werden beobachtet und weiter erzählt. Die Täter versuchen daraufhin durch üble Nachrede oder Mobbing dieser Personen, den noch erhaltenen, kleinen Freundeskreis des Opfers vollständig zu zerstören.
    Das Opfer ist dann völlig überrascht, warum die Freunde auf einmal wütend reagieren oder gar kein Wort mehr mit ihm sprechen. Oder aber die Freunde trennen sich mehr und mehr von dem Opfer, weil sie selbst bedroht wurden und Angst haben, ebenfalls gemobbt zu werden. Selten finden diese Freunde den Mut, sich aktiv gegen das Mobbing zu wehren und das Opfer zu verteidigen, da die Täter nicht nur in der Anzahl, sondern auch in der Größe und körperlicher Stärke überlegen sind.

    Phase 5:Öffentliche Diskriminierung

    Wenn der Freundeskreis des Opfers dann nahezu vollständig zerstört ist, setzt die nächste Phase des Mobbings ein. Es wird nun nicht nur im geschlossenen Klassenzimmer bloß gestellt, sondern auch auf dem Schulweg, im Bus oder auf dem gesamten Schulgelände. Es werden peinliche, oft im Intimbereich liegende Geschichten über das Opfer erzählt, oder das Opfer wird genötigt, peinliche Aktionen zu unternehmen. Oder aber es werden Tafeln beschrieben mit feindlichen und ebenso unangenehmen Sprüchen gegen das Opfer. Daraufhin übt das Opfer immer mehr Rückzug, Schulangst und ein deutlich erhöhtes Schamgefühl werden einsetzen.
    Diese Phase ist die schlimmste aller sieben Phasen des Mobbings, da kurz zuvor der Freundeskreis zerstört wurde und dieser dann nicht selten in dieser Phase aktiv zum Mobbing beiträgt.

    Phase 6: Einbezug unbeteiligter Personen

    Die Demütigung und Diskriminierung des Opfers lässt sich nun nur noch dadurch steigern, dass die Gerüchte und peinlichen „Geheimnisse“ an der gesamten Schule veröffentlicht werden, wodurch das Opfer in einem noch größeren Rahmen gedemütigt wird. Aber auch das reicht den Tätern selten aus, die üble Nachrede wird nun auch über den Rahmen der Schule hinaus betrieben. Teilweise über das Internet, teilweise im Schulbus, auf dem Weg oder im Dorf beziehungsweise in der Stadt. Die Täter beginnen, auch die Unbeteiligten dazu zu überreden, auf das Opfer einzureden und es weiter zu schikanieren, sodass es nirgendwo mehr seine Ruhe hat. Aber auch ohne Anstiftung durch die Täter sprechen sich die Aktionen und die Gerüchte über das Opfer herum. Niemand fragt mehr nach der Wahrheit, sondern den Gerüchten wird blind geglaubt und damit werden vor allem auch jüngere Schüler einbezogen. Falls das Opfer Geschwister hat, könnte es nun auch passieren, dass diese auch gemobbt werden, weil das Opfer mittlerweile in der gesamten Umgebung einen schlechten Ruf hat.

    Phase 7: Physische (Körperliche) Gewalt

    Nachdem das Opfer nun gedemütigt ist und überall einen schlechtes Ansehen trägt, beginnt schließlich auch körperliche Gewalt in verschiedenen Formen, die vor allem von älteren, größeren und stärkeren Mitschülern begangen wird. Sie kann in allen Formen auftreten, nicht nur durch Schläge und Tritte. Leider sind die Täter in diesem Bereich unglaublich kreativ.

  • "Nur ein kleiner Spaß" .... eine Kurzgeschichte mit präventiver Wirkung

    Hoffe ich zumindest. Da ich kaum anschauliches Material zur Prävention gefunden habe, sondern mehr abstrakte Dinge, habe ich mich kurzerhand hingesetzt und selbst eine Kurzgeschichte geschrieben, die hoffentlich eine präventive Wirkung hat.
    Kritik und Verbesserungsvorschläge erwünscht!

    Nur ein kleiner Spaß

    Eine Kurzgeschichte von Raquel G.

    Nur ein kleiner Spaß sollte es werden, wirklich. Wir wollten uns nur über den Neuen amüsieren, weil er so lustig aussah mit seinen langen Haaren, seiner mädchenhaften Brille und seiner lustigen Aussprache. Er kam ja nicht von hier, sondern irgendwo aus dem Süden. Und er benahm sich eigenartig.
    Wir konnten ja nicht wissen, dass das alles so dermaßen ausartet. Und mir tut es wirklich Leid. Ich wollte ihn nicht systematisch fertigmachen, wollte nicht, dass er sich in den Tod stürzt....... doch es war anscheinend zu spät.

    *

    Wie gesagt, es fing alles an, als er das erste Mal den Klassenraum betrat. Wie er so dastand, wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen - Mädchen sowie Jungen. Er war kleiner als der Durchschnitt und stand sehr verkrampft vor uns, aber brachte doch keinen Ton raus. Zweimal musste der Lehrer ihn fragen, wie er denn überhaupt hieß. Erst dann antwortete er: "Lukas."
    Lukas, damals hatten wir alle gelacht - heute lacht keiner mehr. Wir werden ihn gewiss nicht vergessen, zumindest ich nicht.

    Doch es hatte alles so harmlos begonnen. In den Pausen stand er bei uns, mehr bei den Mädels als bei den Jungen, und er ließ immer so lustige Sprüche. Ich weiß gar nicht mehr, was er so gesagt hatte, aber auf jeden Fall mussten wir ständig kichern und lachen. Anfangs schien es ihn nicht zu stören. Zumindest lachte er noch mit.
    Doch dann kam meine beste Freundin auf die Idee, dass man ihm ein wenig auf die Sprünge helfen solle. Damals wusste ich nicht, dass sie vorhatte, ihn auf der gesamten Schule zu blamieren und seine Naivität auszunutzen, weil er noch nie richtig in einer gemeinschaft integriert war. Sie meinte, sie wollte nur ein wenig mehr Stimmung in die Runde bringen.
    Ich hatte nicht darüber nachgedacht, und konnte nur noch zusehen, wie er -ahnungslos- immer mehr zu uns Mädels kam, weil die Jungs ihn nicht ernstnahmen und ihn eine Schwuchtel nannten. weil er eben längere Haare hatte und oft ein rosa Polohemd trug. Und weil er sich im Sport immer so ungeschickt benahm.

    Der Junge war wirklich naiv und tat mir irgendwie Leid. Er hörte auf uns, wenn wir ihm "Tipps" gaben. Leider hatte meine Freundin ihn damit bewusst reingelegt. als er einmal die Hausaufgaben nicht hatte, ließ sie ihn abschreiben - vorher hatte sie aber bewusst Fehler gemacht, damit er sich beim Vorlesen blamierte. Was auch geschah. Und wieder schien es ihm nichts auszumachen. auch nicht als man ihm im Klassen-Rollenspiel eine Rolle gab, die gar nicht zu ihm passte und mit der er sich noch mehr blamierte.
    Doch trotz allem kam er in der Pause immer wieder an und sprach noch mit uns. Bis wir auf die Idee kamen, ihn etwas davon abzubringen. In eine rruhigen Minute, also einer Freistunde, sprachen wir ihn darauf an, dass er sich damit noch mehr ins Abseits manövrierte, wenn er weiterhin mit uns seine Pausen verbrachte. weil es nicht gut kam, wenn er ständig bei den Mädels stand.

    Er meinte, es habe ihm nichts ausgemacht. er hatte uns noch angelächelt und war einfach davon gegangen. Die Tage danach hatten wir Ruhe vor ihm - doch das reichte uns nicht. Einige kamen plötzlich auf die Idee, ihn aus der Klassengemeinschaft herauszuärgern. Und wieder hatte ich nicht darüber nachgedacht, sondern mitgemacht.
    Ich weiß gar nicht mehr warum. Vermutlich, um nicht selbst ausgegrenzt zu werden, udn weil der neue Ruhm der Klasse davon abzuhängen schien, wer am fiesesten zu ihm war. Er zeigte sich immer locker, selbst als wir ihm den Zugang zum Klassenraum mit Tischen und Stühlen versperrt hatten. er hatte sich dann einfach vor die Tür gesetzt und musik gehört.

    Auch als er im Sport wieder so lustig am Rande stand und alle lachten, blieb er locker. Irgendwann zielte ein Klassenkamerad beim Fußball mit Absicht auf ihn und traf seinen Bauch. Lukas hatte danach starke Bauchschmerzen, doch selbst als ihm übel geworden war, blieb er in der Schule. Ab diesem Punkt hatte ich ein schlechtes gewissen bekommen, es ging mir alles zu weit. Es sollte doch eigentlich nur ein Spaß sein, ich wollte ihn nur etwas provozieren, wo war die situation eskaliert? War sie da überhaupt schon eskaliert oder war so etwas unter den Jungs normal?

    Es vergingen einige Tage, in denen er immerzu alleine war. In der schule, selbst im Unterricht bei Gruppenarbeiten, drehte er sein eigenes Ding. Zwar nur mit mäßigen Erfolgen, doch er betonte, dass er klar kam. Und als ich mich mal um ihn bemühte, lehnte er meine Hilfe dankend ab. Er hatte mit uns abgeschlossen.
    Doch er bekam noch einige Briefe von den anderen Mädels. Ich erfuhr nie, was darin stand, angeblich nur ein paar "gute Ratschläge", aber anscheinend waren sie alles andere als gut. Ich wollte dann nicht mehr dass er sich das weiter antat, in dieser Klasse zu bleiben, deshalb schrieb ich kurz: "Wenn ich dir einen guten Rat geben darf, dann solltest du besser aus dieser Klasse raus."
    Ich hätte ja nicht ahnen können, dass er es anders versteht!!!!

    *

    Am nächsten Morgen war der gesamte Bahnverkehr auf meinem Schulweg lahm gelegt. Ich hatte noch lange am Bahnhof gestanden, mich wundernd, warum kein Zug mehr fuhr.
    Lukas war aus der Klasse verschwunden, und gleichzeitig auch aus unserem gesamten Leben.

    Aber in meinen Gedanken werde ich ihn nicht vergessen.... und auch nicht, was unser kleiner Spaß bewirkt hatte..........

  • Die 10 Gebote für ein gesundes Selbstbewusstsein

    Eine der am weitesten verbreitete Folgen des Mobbings ist ein eingeschränktes bis gar nicht mehr vorhandenes Selbstwertgefühl. Damit meine ich an dieser Stelle, dass diese Person sich gar nicht mehr bewusst ist, dass auch sie Stärken und Schwächen hat, sondern sieht nur noch ihre Schwächen und hat oft das Gefühl, nichts Gutes verdient zu haben.

    Das muss aber kein ewig andauernder Zustand sein!!!

    Nicht nur ich, sondern auch IHR, jeder einzelne von euch, jedes ehemalige und jedes momentane Mobbingopfer, kann dagegen ankämpfen, denn JEDER VON EUCH ist EINE GANZE MENGE WERT!!! Keiner muss sich schlecht fühlen, nur weil er von einer Person oder einer Personengruppe permanent heruntergemacht wird.

    Und mit diesen Tipps könnt auch ihr euch ganz schnell über euren eigenen Wert bewusst werden.

    1. Schnappt euch einen Freund oder eine Freundin, der euch sehr gut kennt und euch unterstützt, oder eine Person eures Vertrauens. Traut euch, sie zu fragen, keiner wird sich weigern, euch kurz zu helfen!

    2. Geht zusammen los und besorgt euch genau zwei goldene Zettel! Gold deshalb, weil diese Farbe immer etwas Wertvolles darstellt!

    3. Macht es euch nun zuhause gemütlich und beschriftet die beiden Zettel. Auf den einen kommen Gründe, warum du dich toll fühlen darfst, bzw. die Dinge, die du an dir magst! Auf den zweiten kommen die Dinge, die wohl andere an dir toll finden! Schreibt jedoch noch nicht beide Zettel komplett voll, sondern lasst mindestens die Hälfte auf jedem Zettel Platz!

    4. Wenn du einige Gründe zusammen hast (auf jeden Zettel etwa 5-6), dann häng sie dir beide in deinem Zimmer gut sichtbar auf oder, falls dir das unangenehm ist, dann platziere sie an einem Ort, den du jeden Tag siehst (hefte sie dir beispielsweise in deine Schulmappe/-ordner)!

    5. Und nun schau sie dir jeden Abend an, und überlege dir am besten vor dem Schlafengehen, mindestens eine Sache, wegen der du diesen Tag auf dich stolz sein kannst!

    6. Du kannst auch hingehen und schreiben, wenn dir spontan eine Sache einfällt, dir du an dir schätzt, oder die andere an dir schätzen (wenn du beispielsweise wegen irgendetwas ein Lob oder ein besonders nettes Kompliment bekommst).

    7. Mach das nicht nur eine Woche lang, sondern zieh das langfristig durch, und beachte die Zettel vor allem in kritischen Momenten, wenn es dir mies geht!

    8. Gönn dir außerdem auch spontan ein paar Dinge, also wenn du Lust hast einzukaufen, dann geh los und kauf dir eine Kleinigkeit! Oder nimm ein besonders langes, entspannendes Bad und mach dich anschließend richtig schön! Oder triff dich spontan mit deinen Freunden und lass es dir einfach mal gut gehen!

    9. Und lass dich nicht von Niederlagen unterkriegen!

    10. Denk dir morgens vor dem Spiegel ein kleines Kompliment für dich aus und starte mit einem Lächeln in den Tag!

    Es klingt auf den ersten Blick vielleicht albern, aber auf die Dauer funktioniert es! Es sind wirklich zehn Schritte zu einem gesunden Selbstbewusstsein!
    Und irgendwann könnt auch IHR wieder lächeln, wenn ihr in den Spiegel schaut!!! ;)

    Liebe Grüße,
    eure Raquel

  • Mobbingfolgen überwunden - meine eigene Geschichte

    Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag schreibe. Doch ich finde, dass ich als ehemaliges Opfer nicht darüber schweigen sollte, was das für ein Kampf war, wieder "normal" zu handeln. Vor allem da viele von euch es sicher für vorbildlich halten, dass ich diese Seite eröffnet habe.

    Im September bin ich ja, wie viele von euch wissen, von Alfeld nach Lindhorst gezogen. Aber es war keinesfalls leicht für mich, nachdem ich den letzten Tag in Alfeld mehr oder weniger beurlaubt wurde, da ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Eine Woche war ich weder in Alfeld noch in Nähe Lindhorst angemeldet, doch als es soweit war, leutete meine erste Bedingung: "Ich muss mir vor Ort ein Bild von der Situation machen!" So nahm mich Papa mit.
    So weit so gut. Eigentlich wollte ich ans Technikergymnasium, entschied mich dann aber doch für meine jetzige Schule, da diese kleiner war und eine Schulleitung mir entgegenkam - sollte ich doch selbst aussuchen, in welche Klasse ich kam. Okay, ich gab mich noch relativ sicher (wurde ja auch nur von Jugendlichen gemobbt) und antwortete spontan: "Hauptsache keine Problemklasse, das mach ich nie wieder mit!" Meine Mobbingerfahrungen verschwieg ich allerdings. Ich hoffte, dass diese Klasse wirklich so war.

    Die ersten Tage gestalteten sich schwierig. Alle kamen mir sehr entgegen, doch mehr als oberflächliche Gespräche wie welche über Lieblingsfächer, vielleicht noch Lehrer, und ein "Guten Morgen" brachte ich nie zustande. Wenn die anderne miteinander redeten, stellte ich mich brav dazu, hielt aber meinen Mund. Manchmal saß ich auch alleine auf meinem Platz. Ich mischte mich nur selten ein, weil ich kein Selbstbewusstsein hatte, und vor allem hatte ich Angst, dann nur angefratzt zu werden. Das Schlimmste jedoch war immer, wenn jemand wegen ekligen Dingen "Iiiih!" geschrien hat. Automatisch habe ich mich erschrocken, und manchmal auch leicht gezittert. Einmal habe ich die betroffene Person sehr böse angeschaut, jedenfalls war ich bei der dann schon "untendurch".
    Die Situation war längst nicht ideal, aber anfangs hatte ich immerhin einige Kontakte. Zwei Leute schienen immer zu mir zu halten, egal was war. wenn diese allerdings weg waren, fühlte ich mich gleich aufgeschmissen, und habe an manchen Tagen mit keinem geredet.

    Irgendwann wandten sich die Klassenkameraden von mir ab, ich begriff nicht warum. Im Winter ging es dann richtig bergab. Meine Blogfreunde wissen warum. Jedenfalls brach im Februar mein anderer Freundeskreis zusammen, und ich war ganz alleine. Fühlte mich unsicher. Dann gab es in der Zeit auch noch Enttäuschungen von meinen beiden "Freunden". Was mich kurzerhand dazu brachte, beinahe die Hoffnung aufzugeben. Emotional war ich am Tiefpunkt, und rastete wegen Kleinigkeiten total aus. Teilweise wurde ich auch in der Schule leicht aggressiv, sodass der Rest auch noch abgeschreckt wurde.
    Ich nahm mir, weil ich auch erkältet war, eine Auszeit von wenigen Tagen, die ich auf etwa 1 1/2 Wochen erweiterte, weil ich demotiviert war "wie Sau". Manchmal wollte ich nicht einmal aufstehen. Meine Familie aber brachte mich dann wieder auf einen normalen weg, vor allem durch viele Gespräche mit meiner Mutter. Sie war einfach da für mich, und machte mir klar, dass wir nun in Lindhorst sind und nicht in Alfeld.
    Sie gab mir letztendlich genug Kraft, damit ich mich wieder einigermaßen motivieren konnte, und dann krempelte ich mein Leben um. Ich versuchte, in mehreren Gesprächen mit dem Klassenlehrer, mein Problem verständlich zu machen. Schließlich fand ein relativ dramatisches Gespräch im Klassenverband statt, bei dem ich fast weinend zusammengebrochen wäre. Diese ganzen Erklärungen, warum sie sich abgewandt haben, wollten mir nicht einleuchten - bis mir eine Klassenkameradin erklärte, warum ich so wirkte. Und ganz langsam kamen wir ins Gespräch - die Situation besserte sich, allerdings war ich noch immer sehr empfindlich. Das Gespräch an sich war auch ein Kampf, stellenweise zitterte ich wieder, als ich begann, mich zu outen.... aber wie gesagt, half es.
    Parallel dazu arbeitete ich hart an mir, und ging regelmäßig zur Beratungslehrerin. Nach zahlreichen Gesprächen schien ich "stabil" zu sein, es besserte sich. Doch mein Leben war immer noch "sinnlos". Um dem Ganzen einen Sinn zu verleihen, trat ich bei den Jusos ein. Bald stellte ich fest, dass Politik Spaß macht und engagierte mich sehr.
    Es besserte sich. Hin und Wieder gab es noch Missverständnisse mit der Klassenzicke. Einmal war es so heftig, dass ich mich wieder gemobbt fühlte, und völlig down war, mit Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen etc. und sogar früher nach Hause geschickt werden musste.
    Aber insgesamt bekam ich so langsam zumindest insofern Anschluss, dass ich wieder Smalltalk betreiben konnte, und zwar mehr als nur ein paar Sätze. Durchaus auch mal eine Pause lang erfolgreich. Auf einmal hatte ich Übung, und je mehr ich in der Politik machte, desto besser wurde es. Vor allem auch die Verteilaktionen halfen mir dabei, den richtigen Umgang mit den Menschen wieder zu lernen, und sensibel genug zu reagieren.
    Gegen Ende des Jahres schließlich war ich normal und konnte meine Gedankengänge (habe ja Tagebuch geführt) auf bestimmte Handlungen nicht mehr nachvollziehen.

    Und für die 12. Klasse ist mein Ziel, ohne Vorurteile hineinzugehen und möglichst nicht gleich depressiv zu werden, wenn irgendwer mich kritisiert. Und mittlerweile würde ich behaupten, "normal" zu sein. Zumindest kann ich mit depressiven Phasen umgehen, was ich vor allem meiner Familie und der Beratungslehrerin zu verdanken habe.

    Mit diesem Beitrag möchte ich allen Mobbingopfern und ehemaligen Mobbingopfern Mut machen, die unter den Folgen leiden. Auch ihr könnt es schaffen, diese Folgen erfolgreich zu überwinden! Niemand ist komplett alleine in dieser Welt, man findet immer Hilfe!!!

    Liebe Grüße
    eure Raquel

  • Depressionen als Folge von Mobbing

    Depressionen als Folge von Mobbing

     Kann man durch Mobbing depressiv werden?

    Bevor ich diese Frage beantworte, muss ich vorab einiges dazu loswerden: Viele von euch (ich wage zu behaupten, dass es insbesondere unter Bloggern ein bekanntes Phänomen ist) benutzen leichtfertig den Begriff „depri“, ohne zu wissen, was Depressionen sind, bzw. ohne zu wissen, ob sie jetzt „deprimiert“ meinen oder „depressiv“.

    Der Unterschied zwischen „deprimiert“ und „depressiv“ liegt einfach darin, dass Depressionen über einen längeren Zeitraum anhalten, durchaus über Monate hinweg, während man nur einige Stunden oder Tage „deprimiert“ sein kann. Und selbst wenn dann einmal alles in Ordnung ist, dann zweifelt die depressive Person immer noch und traut dem Frieden nicht. „Irgendetwas passiert gleich, ich darf doch nicht glücklich sein“, sind sehr charakteristische Gedanken.

    Oder wenn sie mal alleine dasteht, denkt die depressive Person gleich „Wer will schon mit mir etwas zu tun haben?“, während „Normalos“ einfach auf ihre Freunde zugehen würden. Doch die depressive Person kann das nicht, denn in ihren Augen war das abrupte Weggehen der anderen gleich ein Zeichen von Ausgrenzung.

     

    Wie beim SVV gibt es verschiedene Arten von Depressionen:

     

    -         manische Depression: Wenn man manisch depressiv ist, wechseln sich Depressionen und gute Phasen abrupt ab, meistens scheinbar ohne Grund. Oftmals weiß die manisch depressive Person selbst nicht, wieso sie gerade so gute Laune hat. Leider kann diese durch Kleinigkeiten sofort wieder zunichte gemacht werden. Manchmal reicht ein falsches Wort oder ein missverständlich formulierter Satz und man fühlt sich gleich wieder unerwünscht, und landet in einem Tiefen Loch. Die depressive Phase hält allerdings meistens länger an als die gute.

     

    -         „normale“ Depression: Ein länger anhaltender Zustand, in dem man sehr negativ gestimmt ist. Man ist unmotiviert und hat Lust auf gar nichts. Meistens ist es dann eine regelrechte Herausforderung, hinauszugehen oder sogar einfach nur den Computer einzuschalten und zu chatten. Dazu treten manchmal noch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen auf. Man unterscheidet zwischen leichten Depressionen, mittelschweren und schweren Depressionen. Bei schweren Depressionen treten zu den Symptomen noch häufig Suizidgedanken auf.

     

    Die Auslöser sind genauso verschieden wie die Depressionen verbreitet sind (es ist die am häufigsten auftretende psychische Krankheit). Während in vielen Fällen die Depression genetisch bedingt ist, gibt es auch Fälle, in denen Depressionen durch bestimmte Ereignisse, wie zum Beispiel jahrelange Ausgrenzung oder lange bzw. heftige Gewalterfahrungen hervorgerufen werden.

    Es beginnt beim Mobbing meist mit mangelndem Selbstbewusstsein und der Frage, inwiefern man selbst Schuld hat an dem Mobbing. Meist fängt das Mobbingopfer dann an, sich zu hassen, vor allem wenn sämtliche Klärungsversuche durch Einzelgespräche oder Diskussionen in der Gemeinschaft scheitern. Durch diesen Selbsthass beginnt das Opfer dann, auch außerhalb des Mobbingortes negative Haltungen sofort persönlich zu nehmen (hängt auch vom Charakter der Person ab…. Kandidaten mit schwächerem Charakter sind anfälliger für diese Verhaltensweise). In diesem Fall kann man sagen, dass mit dem Selbsthass meistens auch Depressionen einsetzen.

     

    Allerdings merkt man das dann erst, wenn das Mobbingopfer aus der schädlichen Umgebung entfernt wurde und es dann woanders hinkommt. Anstatt sich neu zu integrieren, fühlt sich das Mobbingopfer möglicherweise „abgeschoben“, weil man es auf eine andere Schule geschickt hat. Und selbst wenn die Klasse dann sensibel genug reagiert, um ein kleines Gefühl der Geborgenheit aufkommen zu lassen, halten die Zweifel an. Das Mobbingopfer kann sich nicht mehr vorstellen, dass jemand nett zu ihm ist, und vertraut niemandem mehr so richtig. Dadurch fühlt es sich auch wieder einsam, weil es eben keine richtigen Freundschaften aufbauen kann. Die Folge davon ist ein weiter anhaltender depressiver Zustand.

     

    Es ist ein Teufelskreis, aus dem man ohne fremde Hilfe auch in neuer Umgebung nicht mehr herauskommt. Man braucht Ansprechpartner, die die depressiven Gedanken verstehen können, und souverän damit umgehen. In der ersten Zeit ist es zum Beispiel besonders wichtig, dass die Ansprechpartner (das können Freunde, Eltern oder Beratungslehrer sein) das Opfer immer wieder motivieren, wenn es wieder „zu nichts Lust“ hat und ihm immer wieder klarzumachen, dass es sich an einem neuen Ort befindet. Es dauert sehr lange und ist ein harter Kampf, bis man das verstanden hat (auch ich musste fast ein Jahr damit kämpfen, und stellenweise auch noch heute), daher sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt eine Menge guter Psychologen, oder Beratungsstellen, die mit Depressionen umzugehen wissen. Antidepressiva stellen nämlich keine dauerhafte Lösung dar, sondern behandeln in extremen Fällen nur die wichtigsten Symptome. Auf längere Zeit hinweg sollte man aber eine Therapie machen, oder zumindest regelmäßig Beratungsstunden nehmen.

  • Selbstverletzendes Verhalten als Folge von Mobbing

    Wer glaubt, SVVler verletzen sich „einfach nur so“, weil es ihnen Spaß macht, hat sich nie intensiv mit dem Thema beschäftigt. Ebenso die Leute, die behaupten, Selbstverletzendes Verhalten sei schlicht und einfach ein kranker Modetrend unter verzweifelten Teenies, die nur nach Aufmerksamkeit und Liebe schreien.
    Nein, dahinter steckt so viel mehr!!!
    Wer den körperlichen Schmerz braucht und sich selbst zerstören muss, um sich von dem seelischen Schmerz abzulenken, der muss schon extrem verzweifelt sein. Leider kann ich in einem kurzen Beitrag nicht auf alle Ursachen für SVV eingehen, aber die meisten sind:

    - traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit (zum Beispiel Mobbing)
    - mangelndes Selbstbewusstsein (häufig eine Folge des Mobbings)
    - (plötzlicher) Verlust einer Bezugs-/Vertrauensperson
    - Depressionen im Allgemeinen
    - Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Schon alleine unter der Auflistung dieser Punkte, die nur einige Ursachen für SVV sind, erkennt man, dass nicht selten Mobbing einen Großteil dazu beitragen kann. Ebenso kann SVV aus der simplen Aggression resultieren, die man wegen des Mobbings auf sein Umfeld hat. Sensible Menschen, die zu labil sind, um ihre Wut an den Mobbern auszulassen, jedoch auch keine unschuldigen Personen (wie zum Beispiel Familienmitglieder, oder jüngere Schulkameraden) terrorisieren wollen, und damit nicht selbst zum Mobber werden wollen, lassen diese Aggression häufig an sich selbst aus. Dass sie sich selbst zerstören, und dass SVV eine sehr gefährliche Sache ist, bemerken diese Leute nicht. Man spricht hier von einer
    unbewussten Selbstverletzung. Diese Leute ritzen sich selten, sondern greifen zu Methoden wie das Aufkratzen vorhandener Wunden, bis diese stark bluten oder größer werden, Ausreißen von Haaren, Fingernägelkauen extrem (also bis der Nagel soweit runtergekaut ist, dass man Schmerzen hat), Aufkratzen der haut im Allgemeinen (meistens mit Fingernägeln, selten werden Hilfsmittel benutzt) und weitere.
    Hierbei steht weder eine suizidale Absicht im Vordergrund noch das Verlangen, sich selbst zu zerstören.
    Dann gibt es noch bewusste Selbstverletzung. Auch diese steht in der Regel nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit Suizidversuchen, das muss man differenzieren. Viele wollen sich nur von dem seelischen Schmerz, also dem Selbsthass, der Enttäuschung oder von der inneren Leere, die sie fühlen, ablenken und verletzen sich daher. Außerdem fallen in diese Kategorie diese Menschen, die aufgrund einer heftigen Enttäuschung zeitweise nicht fühlen können, und mit dem Schmerz sich selbst quasi „beweisen“ wollen, dass sie noch leben und fühlen können.
    Das eigentlich Böse am SVV ist, dass der Schmerz paradoxerweise für die Betroffenen eine wahre Erlösung ist und anfangs gut tut. Allerdings wechselt die Stimmung sich meist ebenso schnell ins Gegenteil: man fühlt sich mies, bereut das SVV und die ganzen Ängste etc. sind noch größer als vorher. Und trotzdem ist die Selbstverletzung ein Teufelskreis. Wenn der Schmerz einmal eine Erlösung dargestellt hat, denkt man in der nächsten Stresssituation (welche genau das sind, ist bei jedem verschieden; man nennt die Auslöser des SVV häufig auch Trigger.)sofort wieder an das SVV, stellt es sich bildlich vor und der Drang wird immer größer. Meistens ist der Betroffene nicht stark genug sich gegen den Drang zu stellen und gibt nach. Nach einer Weile spüren SVVler keinen Schmerz mehr, da sich der Körper an ein gewisses Maß an Verletzungen „gewöhnt hat“. Die Wunden, die sich der SVVler zufügt, reichen dann nicht mehr aus – sie müssen größer werden, oder sie fügen sich mehr Wunden zu, bis sie wieder Schmerz spüren. Da es sich auf die Dauer so steigert und leider auch die Häufigkeit der Verletzungen bei labilem Charakter immer weiter zunimmt, gerät es sehr schnell außer Kontrolle und wird auch lebensgefährlich, bevor der Betroffene es selbst merkt. Nicht selten ist es dann fast schon „zu spät“, und nur durch eine lange Therapie bekommt de Betroffene das Verhalten in den Griff.
    Da es sich bei SVV als Folge von Mobbing meistens um unbewusstes SVV handelt, das sich erst nach und nach auch in bewusstem SVV wandelt, wird es leider erst sehr spät erkannt. Zudem tendieren Außenstehende dazu, lieber nichts zu sagen, da sie nicht wissen, wie sie mit dem SVVler umgehen sollen – dabei zielt der SVVler meist genau darauf an, dass ihn wer anspricht, dem er vertraut, damit sich die Situation mal klärt.
    Deshalb wird SVV oft erst erkannt, wenn es seine schlimmste Form angenommen hat.

    Je nach Ausmaß des SVV ist entweder eine Therapie vor Ort oder ein längerer Klinikaufenthalt zu empfehlen. Aber auch das Umfeld muss helfen – sobald das Opfer beginnt, gegen das SVV anzukämpfen, braucht es ebenso Vertrauenspersonen an seiner Seite und Freunde, die es dabei unterstützen, da trotz allem die Rückfallquote sehr hoch ist.
    Des Weiteren rate ich davon ab, sich bewusst Bilder von SVV anzuschauen bzw. selbst welche zu veröffentlichen, da diese nicht selten triggern können – Menschen, die in einer emotional schwierigen Situation sind, können von diesen Bildern leicht beeinflusst werden und landen schneller als sie denken ebenfalls unter den SVVlern.
    Sobald man selbst merkt, dass man dazu tendiert, sich zu verletzen, oder dass man ab und zu davon träumt oder oft daran denkt, sollte man sich bereits nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt genug seriöse Ansprechpartner, von Beratungslehrern und Sozialpädagogen über Beratungsstellen zu guten Psychologen oder Kliniken, die einen ernst nehmen und auf jeden Fall weiterhelfen. Wobei auch hier die eigene Bereitschaft, etwas dagegen zu unternehmen, zählt. Wenn man selbst nicht gegen das SVV kämpfen will, kann selbst der beste Psychologe nur schwer helfen.

    Übrigens ist SVV kein Modetrend,auch wenn die Medien und die Öffentlichkeit es – wenn sie es mal thematisieren - gerne mal so hinstellen! Es gab bereits in den 20er Jahren Fälle von Borderline und SVV, nur wurde es meist verheimlicht und erst durch die Präsenz im Internet wird es wirklich auch von der Gesellschaft wahrgenommen.

  • Mobbingtagebuch - eine Hilfestellung für Mobbingopfer

    Da mir letztens hier vor Ort ein Mobbingfall bekannt geworden ist und ich natürlich ebenfalls meine Hilfestellung angeboten habe, habe ich mich hier zu Hause auf die Suche nach gutem Material gemacht, und nach kurzer Zeit ist mir etwas in die Hände gefallen, was ich "damals", also vor 2 Jahren, als ich in der 9. Klasse war und zum ersten Mal "so richtig" gemobbt wurde, mit meiner Sozialpädagogin Frau K. ausgearbeitet habe.

    Und zwar hatte sie mir empfohlen, ein umfangreiches Mobbingtagebuch zu führen. Leider habe ich dieses Angebot im ersten Moment nicht ernstgenommen und es ignoriert. Als ich dann allerdings in Alfeld an der Schule noch viel übler gemobbt wurde, habe ich mir nur gewünscht, ich hätte das Material zu diesem Zeitpunkt dabei gehabt und hätte nach dieser Vorgabe solch ein Tagebuch geführt. Denn ein Mobbingtagebuch hilft den Außenstehenden, wie zum Beispiel Eltern, Lehrern oder Sozialpädagogen, die Situation besser nachzuvollziehen, und sie können auf der Grundlage dieses Tagebuchs einen viel effektiveren Lösungsweg anstreben.

    Nun möchte ich euch dieses Material vorstellen. Auf den ersten Seiten wird für zwei Wochen eine Tabelle angelegt, in der das Mobbingopfer ausführlich ein Protokoll der Ereignisse in der Schule -oder auch am Arbeitsplatz- führt.
    WICHTIG IST, DASS KEINER DER MOBBER DAS MITBEKOMMT!!! ALSO AM BESTEN IM NACHHINEIN ZU HAUSE ODER IN DER MITTAGSPAUSE NACHTRAGEN, WAS GESCHEHEN IST!
    Bei diesem Protokoll sollte das Mobbingopfer beachten, dass folgende Fragestellungen beantwortet werden:

    -Wer genau beteiligt sich am Mobbing?
    - Wer ist nur "Mitläufer", beteiligt sich nur mäßig am Mobbing?
    - Gibt es Leute, die sogar gar nicht mitmobben?
    - Was genau passiert, und wann passiert es?
    - Wie reagiere ich darauf? Und wie sind die Reaktionen der anderen darauf?
    - Habe ich mit irgendjemandem über die Ereignisse gesprochen?

    Hierbei sollte man aber auch versuchen, einen möglichst objektiven Schreibstil anzuwenden.

    Die eigenen Gedanken und Vermutungen über die Situation in der Klasse/am Arbeitsplatz sollte das Opfer allerdings auf seperate Seiten schreiben. Folgende Fragen sind dabei wichtig:
    - Was stört mich genau an der Situation?
    - Was möchte ich am meisten verändert haben?
    - Was habe ich bereits dagegen unternommen, und was kam dabei heraus?
    - Was wurde bereits unternommen, und wie ging es aus?
    - Warum glaube ich, werde ich überhaupt gemobbt? (Hier sind auch konkrete Beispiele/Ereignisse aus der Vergangenheit wichtig)
    - Warum fühle ich mich in der Klasse/am Arbeitsplatz nicht wohl?

    Vielleicht kommt es euch im ersten Moment noch naiv vor, aber es hilft wirklich! Man kann im Nachhinein die Situation objektiv betrachten und überlegen, wie man nächstes Mal besser reagieren kann. Desweiteren bieten Mobbingtagebücher den Vorteil, dass man sie dem Klassenlehrer (evtl. auch Beratungslehrer, oder der eigene Lehrer des Vertrauens)/dem Chef (oder wenn der für das Mobing mit verantwortlich ist, könnten auch Gewerkschaften oder andere Organisationen hilfreich sein) einfach zukommen lassen kann, ohne dass es auffällig ist, und die betreffende Person bekommt sofort einen direkten, schonungslosen Einblick in das Geschehen. Desweiteren helfen die Beiträge über bereits unternommene Versuche, dem Mobbing entgegenzuwirken, bei der Lösungsfindung, da die Sozialpädagogen bereits wissen, wie sie nicht handeln dürfen, bzw. was fehlschlägt. Meistens hilft das dann auch.
    Und eventuell wird auch die Fragestellung geklärt, inwiefern das Mobbingopfer auch sein eigenes Verhalten optimieren sollte, denn - ohne jetzt irgendetwas unterstellen zu wollen - irgendetwas ist ja für das Mobbing ausschlaggebend, und wenn man das irgendwie verändern kann, sollte man das vielleicht auch tun. ;)

    Liebe Grüße,
    Raquel

  • Ein Mobbingfall wird bekannt... was tun?

    Viele Lehrer, Schüler und Eltern begegnen einem Mobbingfall im ersten Moment mit Ratlosigkeit und Überforderung. Niemand weiß, was zu tun ist und wie man das Mobbing aufhalten kann.
    Ein Patentrezept gibt es hierfür nicht, aber wenn man sensibel genug reagiert und weiß, wie man die Sache angehen muss, kann das Mobbing durchaus verhindert bzw. gestoppt werden!
    Hier findet ihr einige Beispiele, wie man reagieren könnte:

    Als Schüler könnt ihr:

    - das Mobbing nicht mehr zulassen
    - den Mobber zur Rede stellen
    - das Opfer unterstützen
    - Lehrer darauf aufmerksam machen

    Als Freunde eines Mobbingopfers könnt ihr zusätzlich:

    - das Opfer unterstützen, und es ermutigen über das Problem zu sprechen
    - dem Opfer signalisieren, dass man auf jeden Fall da ist
    - überlegen, wie sich das Opfer aus der typischen "Opferrolle" befreien kann, ggf. in einem Mobbingfall eingreifen

    - und natürlich auch die oben bereits genannten Dinge.

    Eltern sollten:

    - Verständnis aufbringen, aufmerksam zuhören
    - dem Kind signalisieren, dass sie es auf jeden Fall unterstützen
    - das Selbstbewusstsein des Kindes stärken
    - das Kind motivieren, gegen das Mobbing etwas zu unternehmen (hier ggf. Tipps geben!)
    - selbst die Lehrer auf das Problem ansprechen

    Lehrer sollten:

    - mit der Klasse darüber sprechen, und zwar über einen längeren Zeitraum hinweg in regelmäßigen Abständen und nicht nur einmal
    - versuchen, die Gründe für das Mobbing in Erfahrung zu bringen, bzw. herausfinden wer "verantwortlich" dafür ist
    - mit dem Mobber darüber sprechen,
    - das Selbstbewusstsein des Opfers stärken
    - versuchen, das Opfer zu integrieren

    Keine Lösung stellen Maßnahmen wie:

    - Klassenwechsel
    - Schulwechsel
    - einmalige Gespräche
    - Freistellen vom Unterricht

    dar.
    Im Gegenteil, besonders durch Schul- oder Klassenwechsel
    fühlt sich der Mobber in seinem Denken sogar noch bestätigt und mobbt andere Kinder weiter!

    Und wenn das Opfer für den Rest des Schultages ferigestellt wird, weil es das Mobbing nicht aushält, wenn es vom Unterricht wegbleibt, oder wenn Eltern ihm Entschuldigungen schreiben und ihn zu Hause bleiben lassen, steigert sich nur die Angst vor dem, was ihn am nächsten Tag erwarten wird.

    Weitere Tipps:

    - Wenn bei einem Schüler/einer Schülerin, der/die neu auf eine Schule kommt, bereits an den anderen Schulen Integrationsschwierigkeiten festgestellt wurden, dann sollte dieser/diese nicht in eine
    komplizierte, große Klasse kommen,
    sondern in eine kleinere oder tolerantere Klasse.
    Diese Schüler/-innern drohen sonst, in größeren Gemeinschaften unterzugehen!

    - Regelmäßige Thematisierung von Mobbing im Unterricht (Lehrer) und ggf. auch bei der Erziehung (Eltern sollten mit ihren Kindern ab und zu über Mobbing sprechen).
    Nur wenn man gut informiert ist, kann man nämlich entsprechend handeln, das gilt auch für Schüler!

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